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FBS – Evangelische Familien-Bildungsstätte gGmbH

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Gemeinsam erzählen, gemeinsam verstehen

08.06.2026

Das Erzählfrühstück in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Nürnberg

Wie entstehen echte Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Lebensgeschichten? Eine Antwort darauf gibt das Erzählfrühstück der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Nürnberg.

Das Erzählfrühstück ist Teil der bundesweiten Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. Diese Initiative von Evangelischer Kirche und Diakonie möchte Räume schaffen, in denen Menschen einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und miteinander im Gespräch bleiben – gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen, Polarisierung und Einsamkeit zunehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei Respekt, Offenheit und die Überzeugung, dass Verständigung dort wächst, wo Menschen ihre Geschichten teilen und einander aufmerksam zuhören.

Alle zwei Wochen treffen sich hier Menschen mit und ohne Migrationserfahrung, unterschiedlichen Alters sowie mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen zu einem gemeinsamen Frühstück. Was auf den ersten Blick wie ein geselliges Beisammensein wirkt, ist weit mehr: Das Erzählfrühstück schafft einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitiges Verständnis und neue Verbindungen.

Bereits das gemeinsame Frühstück bildet die Grundlage für offene Gespräche. Oft bringen die Teilnehmenden Spezialitäten aus ihrer Heimat oder Lieblingsspeisen mit und kommen dabei ganz unkompliziert miteinander ins Gespräch. In dieser vertrauensvollen Atmosphäre werden Erinnerungen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und persönliche Geschichten erzählt.

Im Mittelpunkt stehen biografische Gespräche. Die Teilnehmenden berichten von ihrer Kindheit, von prägenden Lebensereignissen, von Verlust und Neubeginn, von Familie, Migration oder dem Ankommen in einer neuen Heimat. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Menschen oft mehr verbindet als trennt. Erfahrungen von Krieg, Flucht, Abschied oder Neuanfang schaffen Verständnis über kulturelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg.

Besonders bewegend war für viele die gemeinsame Erkenntnis, dass der Zweite Weltkrieg „alles durcheinandergebracht, auseinandergerissen und zerstört hat – auch die Familien“. Die Auswirkungen dieser Zeit sind bis heute spürbar. Gleichzeitig wurde deutlich, wie aktuelle Kriege und Krisen alte Erinnerungen wieder wachrufen. Ebenso eindrucksvoll waren die Erzählungen von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die von den Herausforderungen des Spracherwerbs, des Neuanfangs und der Integration berichteten. Ihre persönlichen Erfahrungen ermöglichten den anderen Teilnehmenden neue Perspektiven und ein tieferes Verständnis.

Unterstützt werden die Gespräche durch kreative Methoden wie Vorstellungsrunden mit Tierfiguren, Fähnchen auf einer Weltkarte zur Herkunft der Teilnehmenden oder spielerische Impulse rund um das Thema Integration. Diese niedrigschwelligen Zugänge erleichtern das Kennenlernen und laden dazu ein, eigene Erfahrungen einzubringen.

Bewusst ist das Erzählfrühstück auf eine kleine Gruppe von maximal neun Personen begrenzt. So erhält jede und jeder ausreichend Raum zum Erzählen und Zuhören. Viele Besucherinnen und Besucher kommen regelmäßig und gestalten die Themen inzwischen aktiv mit.

Neben dem Austausch wirkt das Angebot auch der Vereinsamung entgegen – insbesondere bei älteren Menschen. Neue Kontakte entstehen, Berührungsängste werden abgebaut und viele erleben das Erzählfrühstück als einen Ort, an dem sie sich willkommen, gehört und wertgeschätzt fühlen.

Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigen: Verständigung braucht vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und echtes Interesse am Gegenüber. Wenn Menschen ihre Geschichten teilen und anderen zuhören, entstehen Begegnungen, die weit über das gemeinsame Frühstück hinausreichen.

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